Erfahrungsbericht erstes CT

Nach dem ich jetzt schon einige Zeit auf dem Stammtisch verbracht habe, habe ich mich 2018 dazu entschlossen, auf das CT zu fahren. Ich bin im Prinzip alleine hin gefahren, obwohl ich die flauschigen Menschen von unserem Stammtisch auch kenne, war weder mein Freund, mit dem ich eine 24/7 Beziehung führte, noch mein fester Spielpartner anwesend.

Anreise
Ich bin mit dem Küchenbus gefahren, gegen 8:30 ging es am Freitag los, erst Mal zur Metro, wo die Einkäufe für das Wochenende getätigt wurden. Ich hatte vom tragen noch einige Tage Muskelkater in den Beinen ^-^
Eine für mich überraschende Tradition: bei An- und Abreise geht man scheinbar so gut wie immer zu Subway, wo wir das dringend nötige Mittagessen dann einnehmen konnten. Nach einem kleinen abenteuerlichen Umweg wegen einer Straßensperre war die Anfahrt dann geschafft und das Ausladen begann und lief sehr zügig ab, Menschen die im Eingangsbereich standen haben einfach geholfen, was sehr angenehm war. Es gibt Namensschilchen für jede Person und falls man Bettwäsche vergessen hat, kann man die gegen eine kleine Gebühr vom Haus leihen.

Ablauf
Als nächstes stand die Anmeldung an. Unter anderem haben wir uns in eine Zimmer-Liste eingetragen und für einen Spül- oder Reinigungsdienst. Nach dem ausziehen der Straßenschuhe ging es auf Zimmersuche. Im Haus sind Straßenschuhe verboten, ich empfehle daher dringend Hausschuhe/Badelatschen o.ä. Ich besitze und trage normalerweise keine und hab mir einige Male nasse Füße geholt.
Das Zimmer zu finden war eine kleine Herausforderung. Meine Mitbewohnenden haben zum Glück geholfen, denn auf den Zimmerschildern stehen Namen wie „Rapunzel“ und es dauerte eine Weile, bis ich die winzig kleine Nummer darunter fand :smiley: Ich hab mir dann ein Bett gesucht und das bezogen, mir anschließend mein Namensschild abgeholt, die sehr nützlich sind, bei so vielen fremden Menschen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich dann in den Gemeinschaftsraum getraut habe. OMG fremde Menschen! Aber die Gespräche waren dann sehr toll und ich hab mich sehr schnell wohl gefühlt.
Das Abendessen kam relativ spät auf den Tisch, die Küchen-Crew braucht ja auch Zeit zum kochen! Bei der Willkommens-Rede war die Atmosphäre schon sehr gut gelöst und familiär, sehr sehr angenehm. Nach dem Essen (das das ganze Wochenende sehr gut war) habe ich mich dann auch mal allein in den Keller getraut, um mit anderen Menschen Werwolf zu spielen, was wirklich Spaß gemacht hat. Der Keller ist mit Sofas und Sesseln ausgestattet und ziemlich gemütlich.
Die Nacht war auch angenehm, obwohl ich gar nicht gemerkt hab, dass das Zimmer (mit 8 Betten) tatsächlich noch voll wurde. Samstag Morgen bin ich aufgestanden und zu den Waschräumen am nächsten an unserem Zimmer gelaufen, um zu duschen. Die Waschräume sind All-Gender und diese speziellen hatte ein Waschbecken im Eingangsbereich, davon durch eine Tür abgetrennt zwei Toiletten-Kabinen, ein Urinal etwas geschützt dahinter und durch eine andere Tür einen Waschraum mit zwei Duschen und dabei angeschlossenen Umkleidekabinen für eine Person, sowie diversen Waschbecken. Definitiv genug Privatsphäre. Ich musste nur eine Person abwarten um selbst duschen zu können und alles verlief sehr entspannt. Im Gemeinschaftsraum fand ich auch schon Menschen vor und es gab auch recht bald Frühstück. Neben Brötchen mit verschiedenen Käse-, Wurst- und Marmeladen-Sorten gibt es Nutella, Müsli, Milch, Obst, Kakaopulver und die so gut wie immer bereit stehenden Thermo-Kanister mit heißem Wasser bzw. Kaffee. Teebeutel stehen natürlich auch bereit.

Workshops
Ich habe mich für zwei Workshops am Vormittag eingetragen, die jeweils eine Stunde dauerte (planmäßig zumindest, aber wir haben überzogen, es war einfach zu interessant!). Die Workshops verlaufen teilweise parallel in verschiedenen Räumen, sodass man sich entscheiden muss. Dadurch gab es aber eine recht breite Auswahl und vermutlich für jeden mindestens ein interessantes Thema. Die Workshops wurden von ein bis zwei Personen geleitet, ähnelten einer großen Gesprächsrunde und waren sehr informativ und konstruktiv. Man kann alle Fragen stellen und auch wenn unterschiedliche Meinungen (oft von unterschiedlichen Perspektiven) aufeinander trafen, blieb alles respektvoll und angenehm.

Nach dem Mittagessen hatte ich Spüldienst, der mit den richtigen Menschen auch Spaß macht. Gerade hierfür und für das Boden-Wischen wären Hausschuhe sehr geeignet. Am besten etwas mit richtiger Sohle, also nicht aus Stoff. (Ich habe die Packhinweise in meinem Mail-Postfach natürlich erst nach dem CT gelesen :smiley: Aber ich besitze auch keine Hausschuhe.)

Fesseln
Anschließend habe ich mich noch in einen Workshop gesetzt, der schon angefangen hatte und anschließend war ich im Keller beim freien Fesseln. Für das freie Fesseln war ich mit unter den ersten anwesenden. Ich hatte keine Seile dabei (aber ich hab damals ohnehin nicht gerne aktiv gefesselt) und hab mich dann selbst überrascht, indem ich fragte, ob jemand ein Bunny sucht. Es meldeten sich zwei und nach ein bisschen Unterhaltung fingen wir dann an. Es war eine sehr schöne Erfahrung. Ein Boxtie wurde mit meinen Füßen verbunden, sodass es etwas an einen Hogtie erinnerte. Ich hab mich dabei sehr wohl gefühlt, besonders weil die tollen anwesenden Personen wirklich die ganze Zeit auf mich aufgepasst und mit mir gesprochen haben. Es gibt auch eine Fesselaufsicht.
Nach dem Abendessen war im Keller eine Party geplant, ich habe mich lieber mit anderen getroffen, in einem Konferenzraum. Das war wieder sehr sehr kuschlig und spaßig.

Nachts
Später im Zimmer habe ich mich noch mit tollen Menschen unterhalten und plötzlich war es 3 Uhr früh. Tja, da hatten wir irgendwie vergessen, dass nach 01:59 nicht 02:00 sondern 03:00 kommt, wegen der Umstellung auf die Sommerzeit. Ein sehr toller flauschiger Mensch kam vorbei und wir haben uns noch auf sein Bett gekuschelt und uns unterhalten, gegen 04:00 müsste ich dann eingeschlafen sein. Das war ein richtig schöner Abend und eine schöne Nacht - aber sehr kurz. Ich funktioniere eigentlich nicht ohne mindestens 8 Stunden Schlaf und war überraschend um 08:30 am Morgen schon wieder unter der Dusche.

Sonntag
Die Aussicht auf Frühstück mit tollen Menschen macht aufstehen sehr viel leichter. Nur leider folgt auf das Frühstück das Aufräumen und Packen und von mir aus hätte ich gerne noch einige Tage länger mit so vielen wunderbaren Menschen verbracht. Auch an diesem Morgen galt, dass eigentlich keiner Arbeitsscheu war. Gegen 12:00 war dann Ende und bei den meisten Abfahrt. Viele haben sich noch bei dem Subway in der Nähe zum Mittagessen getroffen, ich landete nach der langen Fahrt letztendlich im Bett.

Gedanken und Auswirkungen
Eigentlich wollte ich dann Schlaf nachholen, aber Gedanken und Nachwirkungen genießen war viel viel schöner. Deshalb habe ich nach dem CT diesen Text geschrieben.
Das CT hat auf mich sehr sehr positiv gewirkt. Ich mag den Austausch auf dem Stammtisch sehr gerne und es waren noch mehr Menschen als auf dem Stammtisch (etwa 90 insgesamt?) und ein richtig tolles Wochenende. Ich habe die Gesellschaft sehr genossen. Sich mit Menschen auf einem Toleranz-Level und in einem ähnlichen Mindset zu befinden tut wirklich gut. Da ich zu dem Zeitpunkt ein bisschen Probleme mit dem Toppen hatte, haben mir auch die Workshops und die Gespräche geholfen, über mich und Partnerschaft nachzudenken und vermutlich auch, um nachhaltig Selbstbewusstsein aufzubauen.

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