Hand-Hals-Pranger aus Holz im Eigenbau

Moin moin,

Ich habe mal eine Anleitung zum Selbstbauen eines Hand-Hals-Prangers aus Holz angefertigt. Vollständig mit Bauanleitung, Warnhinweisen und technischen Zeichnungen.

Die Anleitung ist relativ lang, daher findet Ihr sie zusammen mit den technischen Zeichnungen hier:
Dropbox - Nerukan

Viel Spaß beim Eigenbau!

Nerukan

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Für die bessere Übersichtlichkeit, hier einmal die Anleitung als Text. Die Bilder und die Zeichnungen findet Ihr weiterhin in der Dropbox.

Bauanleitung Hand-Hals-Pranger

Inhalt dieser Anleitung:

  • Voraussetzungen
  • Die Produktionsphase
  • Die Aufbauphase
  • Die Spielphase :smiley:

Anmerkung: Alle Längenmaße in dieser Anleitung sind in Millimeter (mm) angegeben. Zusätzlich wurden für die Bezeichnung von Schrauben und Ähnlichem, die technisch üblichen Bezeichnungen genutzt. Die Technischen Zeichnungen können bei Bedarf im richtigen Format (siehe Zeichnung unten links) ausgedruckt werden und als Schablone aufgelegt werden. Voraussetzung dafür ist ein Drucker, welcher in A1 oder A0 drucken kann.
Die Maße für die Innenkontur sind auf meine eigenen Maße angepasst und können bei anderen deutlich Variieren. Als Holz würde ich hier Buche oder Walnuss empfehlen. Mit Fichte/Tanne ist der Bau zwar auch möglich, durch das Harz, kann aber gegebenenfalls die Qualität des Produkts leiden.

Voraussetzungen

Materialien:

  • 4 Holzbretter min. 1000x230x20mm (LxBxH)
  • 22 Zylinderschrauben M8x50mm
  • 44 Unterlegscheiben Groß M8
  • 22 Hutmuttern M8
  • 2 Gewindestangen M10x110mm
  • 2 Hutmuttern M10
  • 2 Flügelmuttern M10
  • 4 Unterlegscheiben M10 Groß

Optional:

  • Ein Edelstahl-Scharnier
  • Eine abschließbare Schließe
  • Klarlack
  • Schraubösen M10

Werkzeuge:

  • Säge (Stichsäge oder Laubsäge)
  • Schleifpapier in verschiedenen Körnungen
  • Ständer-Bohrmaschine (ggf. leistungsstarker Akkuschrauber)
  • Holzbohrer Durchmesser 8,5; 12;
  • 90° Kegelsenker (zum entgraten der Löcher)
  • Diverse Feilen Und Raspeln zur Konturbearbeitung
  • Schraubzwingen
  • Werkbank (ein normaler Holztisch würde es auch tun)
  • Inbus für M8
  • Maulschlüssel oder Ratschen-Satz für SW13 und SW16

Die Produktionsphase

Der Pranger besteht aus vier identischen Bauteilen. Diese werden in der Aufbauphase mit Schrauben und Holzleim zu den zwei Schenkeln des Prangers zusammengefügt.

Schritt 1:
Als erstes benötigt ihr die Holzbretter. Auf ihnen müsst ihr die Außenmaße und Aussparungen aufzeichnen. Dafür könnt ihr die Maße von der Zeichnung 3807015002 entnehmen oder die Zeichnung im richtigen Maßstab ausdrucken, ausschneiden und abpausen. Bitte zeichnet auch auf mindestens zwei Brettern die Bohrungen an, das wird in Schritt 2 noch einmal wichtig.

Habt ihr die Maße aufgezeichnet, könnt ihr mit der Stichsäge (oder einer Laubsäge) die Kontur des Prangers Ausschneiden. WICHTIG: Lasst zwischen der Kontur und eurem Sägeschnitt etwas Platz (ca. 1-2mm) damit ihr nicht zu viel Material abschneidet. Ihr könnt die Kontur später noch genauer schleifen und feilen.

Schritt 2:
Wenn alle Konturen grob ausgeschnitten worden sind, müsst Ihr entscheiden, welche beide Holzbrettern jeweils einen Schenkel vom Pranger bilden. Es ist wichtig, dass ihr diese beiden Bretter für das weitere Vorgehen zusammenbehaltet und auch zusammen bearbeitet, damit die Kanten am fertigen Pranger gut Übereinanderliegen.

Nehmt nun ein solches Bretterpaket und fixiert es mit einer Schraubzwinge so, dass die Kontur der Bretter möglichst genau übereinander liegt. Es sollte eines der Bretter oben auf dem Paket liegen, auf dem ihr in Schritt 1 auch die Löcher für die Bohrungen angezeichnet habt. Sind die beiden fixiert, könnt ihr nacheinander die Löcher für die Halteschrauben gebohrt werden. Dafür benötigt ihr den 8,5mm Holzbohrer.
Anmerkung: Damit das Holz nicht splittert beim Bohren, solltet ihr unter dem zweiten Brett noch ein Stück Restholz fest drunter Spannen. Wenn Ihr das Loch bohrt, geht der Bohrer bis in das Restholz-Stück und an dem eigentlichen Brett entstehen keine Splitter am Bohrloch. Wenn Ihr keine Standbohrmaschine, sondern nur einen Akkuschrauber zur Verfügung habt, Achtet darauf das ihr Gerade bohrt. Ihr könnt eine zweite Person bitten von der Seite zu schauen oder ihr könnt einen rechten Winkel (Geodreieck wenn’s sein muss) nutzen.

Schritt 3:
Alle Löcher für die Halteschrauben sind nun gebohrt. Ihr solltet diese jetzt vorsichtig mit dem Kegelsenker entgraten. Dafür könnt ihr auch die beiden Bretter wieder voneinander trennen. Sind alle Löcher entgratet, könnt ihr temporär an mehreren Positionen (etwa 3-5 Schrauben sollten Reichen) die Halteschrauben festschrauben. Eine Halteschraube besteht aus der Schraube M8x55 mit einer Unterlegscheibe M8 und wird von der anderen Seite mit einer weiteren Unterlegscheibe M8 und der Hutmutter verschraubt. Damit sind die beiden Bretter so miteinander verbunden, dass sie nicht mehr verrutschen können. Sind die Schrauben festgezogen (Halbwegs fest reicht auch), könnt ihr anfangen die Kontur an den beiden Brettern zu bearbeiten. Um große Mengen Material abnehmen zu können, könnt ihr eine Raspel verwenden. Achtet aber darauf nicht zu viel Material mit der Raspel abzutragen, da dadurch relativ tiefe Riefen entstehen, die ihr noch entfernen müsst. Denkt auch an die Verrundungen auf der ober und Unterseite des Prangers. Die Rundungen sind für den Tragekomfort wichtig. Mit Feile und Schleifpapier könnt ihr nun die Feinbearbeitung der Kontur abschließen. Habt ihr das erste Bretterpaket fertig, könnt ihr mit dem zweiten weiter machen und die Schritte 2-3 erneut durchlaufen.

Schritt 4:
Bevor ihr weiterarbeitet, solltet ihr testen, ob der Pranger auch passt. Die Öffnungen am Pranger sind nicht unbedingt universell. Wichtig ist das der Pranger nicht zu Eng sitzt, aber ein Befreien soll natürlich nicht möglich sein. Legt den Pranger testweise der Person an, die ihn später tragen soll. Ihr könnt zum Schließen des Prangers zwei Schraubzwingen verwenden. Die Innenseiten sollten glatt aneinander liegen. Macht jetzt die Anpassungen an der Innenkontur für den zukünftige/n Träger/in.

Schritt 5:
Wenn alles Passt, könnt ihr die Löcher bohren, welche später zum Zusammenschrauben des Prangers benötigt werden. Dafür müsst ihr die Pranger-hälften auf die Seite legen, um die Bohrung zwischen den Brettern setzen zu können. Ihr solltet zur Sicherheit auch ein Restholz unterlegen, um ein Splittern auf der Unterseite zu verhindern. Bevor ihr bohrt, solltet ihr die Halteschrauben, die am nächsten an dem Bohrloch sitzen unbedingt anschrauben und festziehen, sodass die Bretter sich nicht auseinander drücken können.

Die Aufbauphase

Vier Holzbretter und ein Paar schrauben sind noch kein Pranger, daher verbinden wir die jetzt :D.

Schritt 6:
Die Kontur des Prangers ist festgelegt, alle Löcher sind gebohrt und die Kontur ist an den Träger / die Trägerin angepasst. Um den Pranger dauerhaft miteinander u verbinden, müssen zunächst alle Schrauben wieder gelöst werden. Und der Arbeitsplatz von spänen gesäubert werden.

Schritt 7:
Legt euch für diesen Schritt einen feuchten (nicht nass, nur feucht!) Lappen zur Seite. Fangt an das erste Brett mit Holzleim zu bestreichen. Habt ihr eine halbwegs gleichmäßige Verteilung erreicht, könnt ihr die beiden Hälften des Prangerschenkels aufeinanderlegen und eine kleines bisschen gegeneinander verschieben, sodass sich der Holzleim verteilen kann. Richtet die beiden Hälften so gut wie ihr könnt an der Kontur aus und fangt an die Halteschrauben einzusetzen. Ihr solltet die Schrauben erst richtig fest anziehen, wenn die Hälften richtig ausgerichtet und alle Schrauben angebracht sind. Den überquellenden Holzleim, je nachdem wie großzügig ihr den aufgetragen habt, könnt ihr mit dem feuchten Lappen fast rückstandsfrei abwischen.

Schritt 8:
Ihr solltet dem Holzleim mindestens ein paar Stunden zum Trocknen geben. Ist der Leim getrocknet, wäre der Pranger mehr oder weniger einsatzbereit. Allerdings würde ich euch sehr empfehlen den Pranger vorher sorgfältig zu Lackieren, um ihn Abwaschbar zu machen und gegen Schweiß und … anderes… :smiley: zu schützen. Vergewissert euch noch einmal das der Pranger wirklich passt, nach dem Lackieren ist das nicht mehr so einfach zu verändern. Achtet auch vor dem Lackieren darauf, das sich durch das zusammenkleben keine störenden kanten gebildet haben. Wenn nötig arbeitet da nochmal mit Schleifpapier nach.

Schritt 9:
Zum Anlegen des Prangers werden noch die beiden Gewindestangen benötigt, welche durch die zugehörigen Löcher geschoben werden, um die beiden Hälften zu verschrauben. Dafür schraubt ihr eine Hutmutter M10 auf die Gewindestange M10x120mm und schiebt diese durch eine Unterlegscheibe M10. Nun könnt ihr die Gewindestange durch die beiden Pranger-Hälften schieben und von der Gegenseite mit einer Unterlegscheibe M10 und einer Flügelmutter M10 verbinden.

Optionale Schritte:

  • Ihr könnt mit einen Edelstahl-Scharnier und einer abschließbaren Lasche (wie für ein Gartenhaus oder so) die beiden Schenkel des Prangers an den Enden ausstatten. Ich würde jedoch Empfehlen ihn immer auch zusätzlich noch mit den verschraubten Gewindestangen zu verwenden, weil ihr so sicherstellt, dass sich kein Spalt zwischen den Hälften bildet, indem sich Haare oder Haut verfangen könnten.
  • Fortgeschrittene Holzbauer können auch noch Dübel zur besseren Positionierung der beiden Schenkel einbringen.
  • Die beiden Gewindestangen, die zum Verschrauben der Prangerhälften genutzt werden, können auch statt mit einer Flügelmutter mit einer Schrauböse verschraubt werden. Dadurch kann man den Pranger an einer Wand oder mit Ketten/Seilen an der Decke verankern um eine Position des Trägers / der Trägerin zu erzwingen.

Die Spielphase :smiley:

Erste Regel im BDSM sollte immer Sicherheit sein!

Der Pranger ist ein relativ Unnachgiebiges Fesselinstrument. Ein Partner im Pranger ist mehr oder weniger hilflos. Die Natur des Menschen war aber nie dafür ausgelegt von hölzernen Fesseln umschlossen zu werden, weshalb die Natur auch jede Menge Nerven- und Blutbahnen an für den BDSM unglaublich doofen stellen eingebaut hat. Denkt immer daran, dass die Person im Pranger sich selbst entlasten können sollte und nicht an dem Pranger „aufgehängt“ werden sollte. Auch die Handgelenke können von einem Pranger sehr strikt umschlossen werden, was bei nicht aufrechten Positionen des Trägers / der Trägerin nach kurzer Zeit sehr unkomfortabel werden kann. Wenn Gliedmaßen blau anlaufen oder sehr kalt werden, sind das sehr sichere Anzeichen für eine abgeschnürte Blutbahn und sollte relativ schnell abgestellt werden, um Langzeitschäden der Nervenbahnen zu vermeiden.

In dem Sinne: Viel Spaß mit eurem selbstgebauten Pranger!

Nerukan

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Uhh, ordentliche Technische Zeichnungen habe ich ewig nicht gesehen! <3

Auch ein schöner Bauplan, ich überlege den zu klauen und leicht abzuwandeln (ich mag die dünne Form persönlich nicht und will die optionalen Öse an Ober + Unterseite gerne unabhängig vom Schließmechanismus haben.

Aber den Bauplan finde ich super, wird vielleicht ein nächstes Jahr Projekt ^^

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Also ich muss sagen, ich bin auch beeindruckt, auch wenn ich als angehender Ingenieur hier die falsche DIN Norm anprangern muss, denn seit geraumer Zeit ist die DIN EN ISO 7200 gültig (LEIDER), die DIN 6771 war deutlich besser XD

Spaß beiseite. Absolut genial gemacht, leider hab ich nicht die Maschinen, um das zu machen, aber ich werde es mir mal abspeichern und mal schauen, was ich für spätere Projekte daraus ziehen kann :smiley:

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Da hst du absolut recht @elementarius !
Interessanter Weise nutzt Autodesk Inventor 2023 dennoch standardmäßig die DIN 6771 für die Schriftfelder…
Ist mir tatsächlich nicht aufgefallen xD

Ich muss aber zu meiner Verteidigung sagen, dass wir bei mir in der Firma ein Schriftfeld nach Werksnorm nutzen. Inventor nutze ich nur fürs Private.

In Fusion 360 ist es aktuell, nutze ich regelmäßig XD

Verbeuge mich vor allen die das tatsächlich hinkriegen.

schaut auf Ikea Kommode für die ich gestern den ganzen Nachmittag gebraucht habe

erinnert sich daran wie ich ewige Zeiten und etliche Baumarktbesuche gebraucht habe um mein wirklich sehr simples Bett zu bauen

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